DAS LETZTE ABENDMAHL

Öl auf Holzplatte, 2018

4,90  x  1,45 m

1. Preis der Sonderausstellung "Reisebilder"

verkauft

Begründung der Jury

Das Triptychon „Das letzte Abendmahl“ besticht durch ein raffiniertes Spiel der Gegensätze. Vor dem Betrachter biegt sich eine mit Speisen und Getränken barock-opulent überladene Tafel. Früchte, Fleisch und Fisch aus aller Herren Länder, Torten und Getränke sind frisch aufgetischt und laden zum Zugreifen ein. Unmittelbar hinter der Tafel wachsen Kakteen, sie leiten in den Mittelgrund über: eine Voralpenlandschaft, deren Gelb-Braun vom Dunkelgrün eingestreuter Bäume durchsetzt ist. Zum farbenfrohen Vordergrund und dem in warmen Tönen gehaltenen Mittelgrund kontrastiert die Gebirgslandschaft, die sich im Hintergrund in kalt abweisenden Blautönen aufbaut – abgeschlossen von einem hellblauen, leicht bewölkten Himmel. Mittel- und Hintergrund sind menschenleer wie die Tafel selbst. Statt zum „Letzten Abendmahl“ geladener Menschen machen sich Tiere über die Speisen her. Mit einem Bein in einer Torte stehend, schleckt eine Katze frisch geschlagene Sahne, ein Greifvogel stürzt sich im Flug auf Tintenfische, ein Affe beißt in eine Frucht, während eine Schlange noch nach Nahrung sucht. An Details, Sinnebenen und Deutungsmöglichkeiten scheint das Werk unerschöpflich. 

Nicht nur der Titel und die Form des Triptychons schlagen sakrale Akkorde an, sondern auch die auf die drei Tafeln verteilten Blumenvasen mit Lilien (Symbol der Reinheit), Pfingstrosen (Marienblumen) und Feldblumen (hinter der Linzer Torte), wie man sie auf Erntedank-Altären findet. 

Auf den ersten Blick wirkt die Tafel heiter, einladend, üppig, appetitlich angerichtet. Je genauer man sich in das hyperrealistische Werk vertieft, desto mehr Elemente drängen sich auf, die diesen Eindruck stören: der Orientteppich, über den sich der Champagner ergießt, die zerknitterten, schlampig drapierten Tischtücher, Geschirr, dessen Dekor nicht zusammenpasst, schwarze Plastikmüllsäcke. Einige Nahrungsmittel sind ungenießbar roh (Rhabarber, Artischocke, Fische, Pilze, Oktopusse). Aufgeschnitten pralle Melonen und Feigen oder geplatzte Granatäpfel werden in der Tradition klassischer Eros-Symbolik inszeniert. Vanitas-Symbole flankieren diese Zeichen sexueller Lust: die umgeworfene Champagnerflasche, der Tierschädel mit Rhabarberstängel zwischen den Reißzähnen, Fische und Meeresfrüchte, die noch auf ihre Zubereitung warten. Was auf den ersten Blick zum dekadenten kulinarischen Exzess einlädt, erweist sich auf den zweiten als Stillleben mit Elementen der klassischen Ikonografie der Vergänglichkeit, Vergeblichkeit und des Todes. 

Die zwischen Lust und Völlerei, Fülle und Leere, Heiligem und Profanem, Leben und Tod, Landschafts-, Stillleben- und Sakralmalerei schwankende Ambivalenz des Werks steht in sich und überzeugt auch ohne Kenntnis des familiengeschichtlichen Hintergrunds: Unverdorben hat „Das letzte Abendmahl“ ihrem Urgroßonkel Gustav Baumann gewidmet, der in der „Heil- und Pflegeanstalt“ Kaufbeuren – durch die Mangelernährung der nationalsozialistischen „Euthanasie“ geschwächt – kurz nach der Befreiung von der NS-Diktatur starb. Das Triptychon will ihm „ein Festmahl bringen“.

Dr. Markwart Herzog, Direktor der Schwabenakademie Irsee

Preisverleihung in der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren, 4.4.2019

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